Grafik zum Domino-Effekt von RED-S: Energiemangel führt über Hormone und Stoffwechsel zu schwächeren Knochen und Muskeln und schließlich zu Leistungseinbruch und Verletzungen

RED-S im Detail: Wie Energiemangel Knochen, Muskeln und Leistung schwächt

RED-S ist kein reines Leistungsthema. Wer über längere Zeit zu wenig Energie zur Verfügung hat, setzt eine Kettenreaktion in Gang: Erst reagieren Hormone und Stoffwechsel, dann Knochen und Muskeln, und am Ende stehen Leistungseinbruch und Verletzungen. Dieser Beitrag zeigt, was dabei im Einzelnen passiert und warum gerade Ausdauersportlerinnen und -sportler genau hinschauen sollten.

Knochen: der stille Verlierer

Zu den schwerwiegendsten Folgen von RED-S zählt der Verlust an Knochendichte. Bei Energiemangel drosselt der Körper die Produktion von Östrogen und Testosteron, und beide Hormone sind für den Knochenaufbau unverzichtbar. Gleichzeitig sinken weitere knochenaufbauende Signale. Das Ergebnis: Der Knochenumbau gerät aus dem Gleichgewicht, die Knochen werden weniger belastbar [1][3].

Die typische Folge sind Stressfrakturen, also Ermüdungsbrüche durch wiederholte Belastung. Sie entwickeln sich schleichend, beginnen oft mit diffusen Schmerzen und bedeuten meist wochen- bis monatelange Trainingspausen. Besonders ernst zu nehmen sind Stressfrakturen an Becken, Oberschenkelhals oder Kreuzbein. Sie gelten als starker Hinweis auf einen zugrunde liegenden Energiemangel [4].

Ein oft unterschätzter Punkt: Die maximale Knochenmasse wird bis etwa Ende 20 aufgebaut. Wer in jungen Jahren über längere Zeit im Energiemangel trainiert, erreicht diesen Höchstwert womöglich nie. Ein Teil dieses Defizits lässt sich später nur schwer wieder aufholen [4].

Muskeln und Leistungsfähigkeit

Fehlt Energie, fehlen auch die Ressourcen für den Erhalt und Aufbau von Muskulatur. Gleichzeitig leidet die Kohlenhydratversorgung: Die Glykogenspeicher, der wichtigste Treibstoff für intensive Ausdauerleistung, füllen sich zwischen den Einheiten nicht mehr ausreichend auf. Spürbar wird das so [2][3]:

  • Kraft und Spritzigkeit lassen nach
  • Ausdauer und Konzentration im Training sinken
  • die Belastbarkeit nimmt ab
  • Trainingsreize zeigen weniger Wirkung

Der Körper im Energiesparmodus

Der Energiemangel verändert den gesamten Stoffwechsel. Der Grundumsatz sinkt, das Stresshormon Cortisol bleibt erhöht, aufbauende Hormone gehen zurück. Der Körper schaltet in ein Sparprogramm: Er sichert das Überleben, nicht die Leistungsentwicklung [1][3].

Für ambitionierte Athletinnen und Athleten ist das besonders frustrierend. Sie trainieren konsequent, doch die Fortschritte bleiben aus oder kehren sich um.

Tückisch dabei: Anfangs kann ein Energiemangel sogar mit kurzfristig besseren Leistungen einhergehen, etwa weil das Körpergewicht sinkt. Dieser Effekt hält jedoch nicht an. Er kann aber dazu führen, dass Warnzeichen zu lange übersehen werden [4].

Erhöhtes Verletzungs- und Infektrisiko

Weniger belastbare Knochen, eingeschränkter Muskelaufbau und ein geschwächtes Immunsystem: Diese Kombination macht anfällig. Typisch sind:

  • Überlastungsschäden
  • wiederkehrende Infekte
  • verzögerte Heilung

Weil die regenerative Kapazität des Körpers eingeschränkt ist, summieren sich kleine Belastungen schneller zu echten Verletzungen [1][2].

Fazit

RED-S wirkt wie eine Kettenreaktion: Energiemangel verändert den Hormonhaushalt, der wiederum Knochen, Muskeln und Regeneration schwächt, und am Ende leiden Leistung und Gesundheit gleichermaßen. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann früh gegensteuern. Die wichtigsten Hebel sind:

  • eine Energiezufuhr, die zum Trainingsumfang passt
  • ausreichend Kohlenhydrate rund um das Training
  • echte Regeneration

Bei Stressfrakturen, anhaltenden Zyklusstörungen oder dauerhaftem Leistungsabfall gehört eine sportmedizinische Abklärung an den Anfang des Weges zurück.


Quellen

[1] sportärztezeitung: RED-S. https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/13482/red-s/
[2] BLACKROLL: RED-S Syndrom – Ein Leitfaden zum relativen Energiedefizit. https://blackroll.com/de/artikel/red-s-syndrom
[3] Theroga Physiotherapie: Laufen und Laufverletzungen – RED-S. https://www.theroga-physiotherapie.de/laufen-laufverletzungen-3/
[4] Mountjoy M. et al. (2023): 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). British Journal of Sports Medicine, 57(17), 1073–1097.

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